call for papers | Räume schaffen | 14. Kunstpädagogisches Kolloquium

Seit dem Ausruf des Spatial Turn wird Raum heute zunehmend relationaler und dynamischer gedacht, was neue Perspektiven auf die materielle und die soziale Welt eröffnet. In Anlehnung an Michel de Certeaus Ausspruch “Ein Raum ist ein Ort, mit dem man etwas macht” (1988, 218) widmet sich das diesjährige Kolloquium einem betont aktiven Umgang mit dem Thema Raum und eröffnet damit das Spannungsfeld räumlicher Potentiale zwischen Visionen und Utopien einerseits, sowie Bedingtheiten und Begrenzungen andererseits. Was heißt es im Kontext kunstpädagogischer Fragestellungen und Anliegen in Lehre und Forschung, Räume zu schaffen – physisch, virtuell, geographisch, sozial? Welche Bedeutung kommt dabei unterschiedlichen Kontexten wie Schule, Museum oder Bildungsmedien und -politik zu?

Aktuell diskutierte Raumkonzepte sind äußerst vielfältig und vielschichtig. Angesichts einer mediatisierten Gesellschaft erscheint beispielsweise der virtuelle Raum von zunehmender Wichtigkeit, insbesondere als Raum der Imagination, der über seine Prägung durch digitale Technologien hinausweist. Davon ausgehend wird eine Vorstellung von Raum als Container, als begrenztes Gefäß, radikal in Frage gestellt. In der Vorstellung können Räume geschaffen und erfahren, Grenzen gezogen und überschritten werden. Doch selbst der virtuelle Raum kommt nicht ohne eine topographische, physische Verortung aus – durch seine materiellen Bedingungen ist er an geographische Räume gebunden. Grenzüberschreitungen rücken Themen wie Kolonialisierung, Migration, Demokratisierung, Partizipation und damit die Frage nach der Gestaltung oder auch der Gestaltbarkeit sozialer Räume in den Blick. Sozial-Sein erklärt sich wesentlich aus räumlichen Anordnungen, in die Menschen eingebunden sind (Löw) – seien diese virtuell oder physisch. Es stellt sich die Frage, wie sich handelnde Subjekte in Räumen positionieren können und inwiefern diese Positionierungsoptionen vorstrukturiert oder aber wandelbar sind (Butler).

Kunstpädagogische Kontexte bieten sich an, utopische, verheißungsvolle Räume zu entwerfen. Unterschiedliche Konzepte versuchen dabei spezifische Möglichkeiten des Räumlichen auszuschöpfen. Dies geschieht z.B. durch den Bezug auf die physische Präsenz der Personen im Raum, die soziale und politische Wirkmacht von institutionellen Räumen sowie deren Veränderungspotential. Weiter denkbar ist die Nutzbarmachung digitaler Räume, die beispielsweise die Chance bieten, sich sozialer Stigmata zu entledigen und Positionierungen dadurch neu verhandeln zu können.

Für eine kunstpädagogische und vermittlungsorientierte Forschung sind neben materiellen Orten wie Schule, Museum oder anderen Kunst- bzw. Bildungsinstitutionen immer auch deren immaterielle Bezugs- und Handlungsfelder bedeutsam. Durch das Handeln und Sprechen, das je nach Kontext spezifisch ausfällt, werden Wissensräume produziert, legitimiert, besetzt, abgesteckt und als allgemeingültig markiert. An Fragen nach Orten des Wissens, des Wo?, schließen sich Fragen nach deren Bedingungen und Gegebenheiten an, des Wie?.

Das Kolloquium in Loccum bietet dahingehend zunächst einen physisch verorteten Raum des Diskurses für einen gemeinsamen Austausch: Wo und wie berühren Fragen nach Raum und Räumlichkeit die eigene Forschungstätigkeit? Welche Vorstellungen und Konzeptionen von Räumen scheinen auf? In welchem Verhältnis stehen unterschiedliche Auffassungen und Ausprägungen zueinander, inwiefern greifen sie ineinander, überschneiden und überlagern sich? Welches Potential bieten diese für eine kritische Auseinandersetzung?

Formelles

Das kunstpädagogische Forschungskolloquium Loccum 2017 möchte dazu einladen, Fragen zu Räumlichkeiten zu teilen, zu diskutieren, zu reflektieren und zu erweitern. Eine explizite thematische Bezugnahme auf den Call hinsichtlich der eigenen Forschungsarbeit ist wünschenswert, kann aber auch implizit im Rahmen anderer Forschungsschwerpunkte diskutiert werden und ist keine Voraussetzung zur Teilnahme. Als diskussionsbasiertes Kolloquium sind verschiedene Präsentations- und Arbeitsformate willkommen (Workshops, Vorträge, künstlerisch-performative Beiträge). Das Kolloquium richtet sich vornehmlich an Nachwuchswissenschaftler_innen (Promovierende und Post-Docs) und bietet diesen explizit die Möglichkeit, Fragmentarisches und Nicht-Ausformuliertes zur Disposition zu stellen. Ausdrücklich willkommen sind dabei angehende Promovierende, die noch ganz am Anfang ihres Forschungsvorhabens stehen.

Abstract: Wir freuen uns über Beiträge im Umfang von max. ca. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen. Zusendung bis zum 15. Juni 2017 per E-Mail an loccum@gmx.net

Datum & Zeit: Das Kolloquium beginnt am Freitag, den 08. September um 14:30 Uhr und endet am Sonntag, den 10. September 2017 gegen 15 Uhr in der Ev. Akademie Loccum.

Kosten pro Person: Die Tagungsgebühr für Übernachtung und Verpflegung beträgt 169€, BDK-Mitglieder erhalten eine Vergünstigung. Es besteht die Möglichkeit vor Ort dem BDK e.V. beizutreten.

Weitere Informationen unter: https://forschungskolloquiumloccum.wordpress.com/

Loccum 2017 Organisation: Nathalie Werner, Karolin Leitermann, Lennart Krauss, Daniela Gernand, Hendrikje Duewel, Nadia Bader

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Literaturhinweise:

De Certeau, Michel: Praktiken im Raum, in: Ders.: Kunst des Handelns, Berlin: Merve, 1988, S.218ff.

Dünne, Jörg und Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2015.

Lefebvre, Henri: The production of space. New Jersey: John Wiley & Sons, 1991.

Löw, Martina: Space Oddity. Raumtheorie nach dem Spatial Turn. In: sozialraum.de (7) Ausgabe 1/2015. URL: http://www.sozialraum.de/space-oddity-raumtheorie-nach-dem-spatial-turn.php, [Datum des Zugriffs: 03.01.2017].

Von Hoff, Dagmar: Performanz. Repräsentation. In: von Braun, Christina u. Stephan, Inge (Hrsg.): Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Böhlau: UTB, 2009.

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