call for papers | AnSichten | 13. Kunstpädagogisches Kolloquium

AnSichten: Forschungsperspektiven auf Kunst und Bild(ung) | Freitag 26. – Sonntag 28. August 2016 | DOWNLOAD: Call for Papers_Loccum 2016

Mit dem Titel AnSichten: Forschungsperspektiven auf Kunst und Bildung legt Loccum 2016 einen Schwerpunkt auf das Forschen mit und an visuellem (Daten)Material. Der Titel verweist zugleich auf den multiperspektiven Umgang mit Bildern jeglicher medialer Repräsentation. Zu Sichten ist visuelles Forschungsmaterial aus Datenerhebungen, bspw. Fotos oder Videos aus kunstpädagogischen Vermittlungssituationen, künstlerisch-gestalterische Produkte und Lernerartefakte ebenso wie Modelle und Grafiken. Dabei stellen sich Fragen wie: Welche Rolle spielen Bilder im Rahmen meiner Forschungsarbeit? Wie analysiere, interpretiere und präsentiere ich visuelles Datenmaterial? Wie kommuniziere ich visuelle Inhalte bzw. wie visualisiere ich Erkenntnisse? Wie werden diese Entscheidungen transparent gemacht?

Der Fokus auf eine Forschung mit, an und durch Bilder stellt die Rolle des Visuellen in wissenschaftlich-kunstpädagogischen Prozessen in den Vordergrund. Der Kunstunterricht als „Fach des Bildes“ (Niehoff & Wenrich, 2007: 22) dient dem reflektierten, selbstbestimmten Umgang in Form von Produktion, Rezeption als auch Reflexion von Bildern als elementare „Basisqualifikationen neben Lesen, Schreiben und Rechnen“ (Peez, 2007). Bildkompetenz und Visual Literacy prägen seit Jahren den fachdidaktischen Diskurs. Visuelles Forschen als auch das Visualisieren von Ergebnissen in verschiedenen Disziplinen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Zugleich ist in wissenschaftlich-kunstpädagogischen Veröffentlichungen eher ein „Bildverzicht“ (Maar, 2014: 12) zu beobachten.

Bilder & Wissen

Der erweiterte Bildbegriff umfasst „Heterogenes wie Phantasmagorien oder Metaphern, Skulpturen und Ikonen, Diagramme, Installationen oder Bewegtbilder, aber auch reine Farbfelder, automatisch produzierte Graphen und chromatische Serien von Pixeln, die alles, was auf einem Bildschirm erscheinen kann, tendenziell zu einem ‚ikonischen Effekt’ werden lassen“ (Mersch, 2011: 1). Neben die materiellen Bilder treten sogenannte „Figures of thought“ (Dirmoser, 2005), die Vorbewusstes visualisieren und Bilder mental in Erscheinung treten lassen. Diese Transmedialität und Komplexität des Bildes findet sich im schulisch curricularen Kontext jedoch häufig nicht (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2014: 11). Das Bild im engeren Sinne wird im Kunstunterricht oft auf ein vom Urheber in Form von „Objekte[n], Prozesse[n] und Situationen“ gestaltetes visuelles Phänomen (Niehoff, 2009: 14) beschränkt.
In Anlehnung an Kants Kritik der reinen Vernunft beschreiben Heßler und Mersch (2009) einen Paradigmenwechsel zu einer „Kritik der ikonischen Vernunft”. Bilder sind hierbei nicht bloß Visualisierungen oder Repräsentationen von bereits existierendem Wissen, sondern selbst wissens-konstitutiv. Demnach generieren Bilder neue Erkenntnisse bzw. bildspezifische Formen von Wissen. Phänomene werden durch die aktive Einbeziehung von Bildern und bildbasierten Prozessen in der Forschung „holistisch“ begreifbar (Weber: 2008). Das Bild wird somit als eigenständiges erkenntnistheoretisches Medium in verschiedenen Disziplinen zunehmend erkannt und diskutiert. Im kunstpädagogischen Kontext stellt Pazzini die “wachsende Bedeutung von Bildern […] in der Wissenschaft” heraus, die eine “bildende, erziehende, sozialisierende und forschende” (2014: 14) Funktion erfüllen.
Aufgrund ihrer spezifischen Qualitäten, besitzt jede visuelle Darstellungsform (wie Foto, Zeichnung oder Film) erkenntnistheoretisch konstitutive Parameter und ermöglicht damit einen eigenen Zugang zu bestehendem und neuem Wissen. Im Forschungsprozess sind diese besonderen Eigenschaften zu beachten, wenn visuelles (Daten)Material erhoben bzw. generiert wird, als auch bei der Übersetzung der gewonnen Erkenntnisse in andere Darstellungsweisen wie z.B. Diagramme, Skizzen oder Texte. Besonders spannungsreich erscheint in diesem Kontext das Verhältnis zwischen Bild und Text, weil wissenschaftliche Ergebnisse primär sprachlich präsentiert werden, aber auch aufgrund erkenntnistheoretischer Differenzen von Wort und Bild.

Formelles

Das kunstpädagogische Forschungskolloquium Loccum 2016 möchte zum Teilen, Diskutieren, Reflektieren und Erweitern von AnSichten auf die eigene Forschung und speziell den Umgang mit visuellem Material anregen. Eine explizite Bezugnahme auf die im Call aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der eigenen Forschungsarbeit ist wünschenswert, kann aber auch implizit im Rahmen anderer Forschungsschwerpunkte diskutiert werden und ist keine Voraussetzung zur Teilnahme. Als diskussionsbasiertes Kolloquium sind verschiedene Präsentationsformate, auch künstlerisch-performative Positionen, willkommen. Loccum 2016 bietet den Teilnehmer_innen explizit die Möglichkeit, Fragmentarisches und Nicht-Ausformuliertes zur Disposition zu stellen.

Das kunstpädagogisch-wissenschaftliche Kolloquium richtet sich vornehmlich an den kunstpädagogischen Nachwuchs (Lehrkräfte, Promovierende und Post-Docs). Ausdrücklich willkommen sind auch Promovierende in der frühen Forschungsphase, um beispielsweise ihre Forschungsfragen oder einen möglichen Umgang mit visuellem Material gemeinsam in der Gruppe zu diskutieren.

Abstract: Wir freuen uns über Beiträge im Umfang von max. ca. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen und einem für die eigene Forschung relevanten Bild. Zusendung bis zum 1. Juni 2016 per E-Mail an loccum@gmx.net

Datum & Zeit: Das Kolloquium beginnt am Freitag, den 26. August um 14:30 Uhr und endet am Sonntag, den 28. August 2016 gegen 15 Uhr in der Ev. Akademie Loccum.

Kosten pro Person: Die Tagungsgebühr für Übernachtung und Verpflegung beträgt 155€ und maximal 135€ für BDK-Mitglieder. (Es besteht die Möglichkeit vor Ort dem BDK e.V. beizutreten.)

Weitere Informationen: https://forschungskolloquiumloccum.wordpress.com/

Loccum 2016 Leitung: Nico Roenpagel, Miriam Vierhaus und Christina Inthoff

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Literaturhinweise:

Dirmoser, Gerhard (2005). Abrufbar unter: http://gerhard_dirmoser.public1.linz.at/A0/Diagrammbild_3_0_D.pdf [19.04.2016]

Heßler, Martina; Mersch, Dieter (Hrsg.) (2009): Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. Bielefeld. Transcript.

Marr, Stefanie (2014): Kunstpädagogik in der Praxis. Wie ist eine wirksame Kunstvermittlung möglich? Eine Einladung zum Gespräch. Bielefeld. Transcript.

Mersch, Dieter (2011): Materialität und Bildlichkeit. Abrufbar unter: http://www.dieter-mersch.de/Texte/PDF-s/ [19.04.2016]

Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.)(2014): Kernlehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasien/Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf. S. 16-19. Abrufbar unter: http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_SII/ku/KLP_GOSt_Kunst_Endfassung.pdf [19.04.2016].

Niehoff, Rolf; Wenrich, Rainer (Hrsg.)(2007): Denken und Lernen mit Bildern. München. Kopaed.

Niehoff, Rolf (2009): Bildung – Bild(er) – Bildkompetenz(en): Zu einem wesentlichen Bildungsbeitrag des Kunstunterrichts. In: Bering, Kunibert; Niehoff, Rolf (Hrsg.): Bildkompetenzen). Beiträge des Kunstunterrichts zur Bildung. Oberhausen. Athena.

Pazzini, Karl-Josef; Sabisch, Andrea; Zahn, Manuel; May, Evelyn (Hrsg.) (2014): Visuelle Bildung. Kontur eines Forschungsfeldes. Hamburg. Abrufbar unter. http://kunst.erzwiss.uni-hamburg.de/ful-home/blog/wp-content/uploads/2014/10/RZ_VisuelleBildung_Broschu%CC%88re_140630_Ansicht.pdf [16.04.2016]

Peez, Georg (2007): Kunstunterricht heute – und morgen auch. Argumente und Konzepte im Überblick. In: Schulmagazin 5-10. Impulse für kreativen Unterricht. Heft Juli / August 7-8, 2007, S. 5-8. http://www.georgpeez.de/texte/schulmagazin.htm [16.04.2016]

Weber, Sandra (2008): Visual images in research. In: Knowles, Gary; Cole, Ardra (Hrsg.): Handbook of the arts in qualitative research: Perspectives, methodologies, examples, and issues. Los Angeles, CA. Sage Publications, S. 41-53.