o.T. (Subjekt) – Gastvortrag II

Für das 12. Kolloquium in Loccum konnten wir Karin Schneider und Anja Michaelsen als Gastreferentinnen gewinnen. Wir freuen uns bereits sehr auf ihre Inputs und die gemeinsamen Diskussionen. An dieser Stelle ein Vorgeschmack zum zweiten Beitrag:

Fragen der Subjekt/de/konstruktionen in partizipartiven Vermittlungs- und Forschungsprozessen mit Kindern und Jugendlichen

Karin Schneider

Die Frage nach Subjektpositionen, also auch nach der Handlungs- und Sprechmacht sind zentrale Drehpunkte für Reflexionen von Vermittlungs- und Forschungsprozessen: Wer spricht bzw. wessen Sprache findet Gehör? Wer bestimmt das Szenario? Wer stellt Fragen und wer wertet diese aus?

Das Schlagwort „Partizipation“ führt dabei das Versprechen mit, passive „Objekte“ in aktive „Subjekte“ der Forschung, der Vermittlung und der Adressierung politischer Vorhaben zu verwandeln. Damit sind emanzipatorische Momente im Paradigma der Partizipation beschrieben und gleichzeitig deren Widersprüche und Schwierigkeiten markiert. Eine der Schwierigkeiten könnte mit unserem generellen Zurückweichen vor der zu euphorischen Anrufung des Subjektbegriffes zutun haben; eine weitere mit dem Diktum der Partizipation:

Ist dieses doch heute in aller Munde und wurde es doch in manchen Förderschienen zu einem Codeword des Antragschreibens.

Partizipative Prozesse können dabei auf unterschiedlichen Ebenen behauptet werden, von der Idee der verändernden Teilhabe und Mitgestaltung in Forschung, Politik oder Design bis zu „hands on“ und Kommunikationsangeboten in Ausstellungen und Kunstpraxen. KritikerInnen (e.g. Bröckling 2007; Götsch et.al 2012; Hamm 2013) sprechen z.B. vom „Partizipations Imperativ“ und analysieren dessen Forderung immer und überall sein Bestes zu geben als Teil ökonomischer Umbauprozesse des „kognitiven Kapitalismus“.

Gerade in dieser Situation wäre nach dem emanzipatorischen Potential partizipativer Setzungen zu fragen, die damit in der Lage sein müssten, den Subjektbegriff selbst reflektierend und dekonstruktiv zu verwenden.

In meinem Input werde ich versuchen, dieses anhand einiger Mikroszenen aus eigenen partizipativen Forschungs- und Vermittlungsprozessen mit Kindern und Jugendlichen herauszuschälen. Dabei enzwickle ich grob skizziert die These, dass sich Subjektpositionen und Möglichkeiten der Selbstsetzung in und durch eine Verfehlung der Kommunikations- und Wahrnehmungssituationen herstellen können. Es sind genau die Zwischenräume gemeinsamen Weltverständnisses, die in den Fehlern der Anrufung entstehen können. Mit dem Fokus auf Rassismus und Gender De/konstruktionen in diesen Prozessen versuche ich zu zeigen, dass das politische Potential von „Partizipation“ in der Schaffung eines gemeinsamen politischen Begehrensraum liegt.

Literatur:

Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Götsch, Monika/Sabine Klinger/Andreas Thiesen (2012): „Stars in der Manege?“ Demokratietheoretische Überlegungen zur Dynamik partizipativer Forschung. In: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, North America 13. Online: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1780/3296.

Hamm, Marion (2013): Engagierte Wissenschaft zwischen partizipativer Forschung reflexiver Ethnographie. In: Beate Binder, Friedrich von Bose, Katrin Ebell, Sabine Hess, Anika Keinz (Hrsg.): Eingreifen, Kritisieren, Verändern!? Interventionen ethnographisch und gendertheoretisch. Münster: Westfälisches Dampfboot

Referentin:

Karin Schneider ist Zeithistorikern, Kunst- und Kulturvermittlerin. Bis 2007 war u.a. im MUMOK tätig, zuletzt als „Stabstelle Kunstvermittlung“. Sie wirkte in unterschiedlichen Forschungsprojekten mit die sich u,a, mit Erscheinungs- und Konstruktionsformen von gender in hands on Museen bei Kindern beschäftigten, als auch mit Methoden partizipativer Forschung mit Kindern- und Jugendlichen. Zur Zeit ist sie (zusammen mit Barbabra Mahlknecht, Andrea Hubin, Carla Bobadillia und Iver Ohm) als Wiener Gruppe des Netzwerkes „another roadmap for arts education“ Lehrbeauftragte an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

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